Teilprojekt 2

 

Teilprojekt 2

„Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der Milchproduktion in Schleswig-Holstein im EU- weiten Kontext”

Problemstellung und Projektziele

Die Verteilung der Milchproduktion in Europa (Milchdichte) wird sich in naher Zukunft  erheblich verändern. Gründe dafür sind: Abschaffung der Milchquote 2015; Attraktive Alternativen der Flächennutzung (Energie). Schleswig-Holstein ist gekennzeichnet durch eine relativ hohe Milchdichte. Ob es gelingt diesen Standortvorteil weiter auszubauen, ist abhängig von der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wertschöpfungskette, von der Milchproduktion bis zum Handel.


Die Ziele dieses Projektes bestehen darin:

  • die Wettbewerbsfähigkeit der Milchproduktion in Schleswig-Holstein zu untersuchen, im EU-weiten Kontext einzuordnen und Stärken und Schwächen aufzuzeigen;
  • die Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfungskette Milch in Schleswig-Holstein zu untersuchen und Stärken und Schwächen aufzuzeigen;
  • ein Konzept zu entwickeln, wie zukünftig eine kontinuierliche Messung von Wettbewerbskraft der Milchproduktion und der Wertschöpfungskette realisiert werden kann.

 

Material und Methoden

  • Kosten- und Effizienzanalyse von Buchführungsdaten bzw. BZA Daten
  • Kostenanalyse von typischen Milchviehbetrieben
  • Messung der ökonomischen Nachhaltigkeit
  • Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfungskette Milch

 

Vernetzung mit anderen Teilprojekten

Dieses Projekt ist vernetzt mit den anderen Pro-Ökonom-Projekten, insbesondere dem Projekt 7.1, und damit implizit mit den Teilprojekten der Säulen Pro-Kuh und Pro-Gras.

 

Ergebnisse

Im Rahmen des Teilprojektes 7.2 wurde die Wettbewerbsfähigkeit der Milchproduktion in Schleswig-Holstein untersucht und in den EU-weiten Kontext eingeordnet. Darüber hinaus wurden Stärken und Schwächen der typischen Milchviehbetriebe aufgezeigt. Neben Untersuchungen auf Ebene der Betriebe wurde auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfungskette Milch in Schleswig-Holstein insgesamt analysiert. Ferner wurde ein Konzept entwickelt, wie zukünftig eine kontinuierliche Messung der Wettbewerbsfähigkeit der Milchproduktion und der Wertschöpfungskette realisiert werden kann.

Die Ergebnisse der Produktionskostenanalyse auf Basis von Buchführungsdaten haben gezeigt, dass die Kosten auf bundesweiter Ebene eine fallende Tendenz aufweisen und von 70 Cent 1996 auf unter 50 Cent pro kg Milch 2009 gesenkt wurden. Dennoch konnten die Vollkosten der Milchproduktion im Durchschnitt der ca. 750 Betriebe aus ganz Deutschland in keinem der beobachteten Jahre durch den Milchpreis gedeckt werden. Der Regionalvergleich hat gezeigt, wie weit die Produktionskosten innerhalb Deutschland divergieren. So ist die Milchproduktion in Norddeutschland (Niedersachsen und Schleswig-Holstein) durchschnittlich 16 Cent pro kg günstiger als in Süddeutschland, wobei die Kostendifferenz im Zeitverlauf geringer geworden ist. Die schleswig-holsteinischen Betriebe weisen im Durchschnitt eine höhere technische Effizienz als andere auf. Die Produktivitätsentwicklung zeigt keinen eindeutigen Verlauf, sondern schwankt relativ stark von Jahr zu Jahr. Die schleswig-holsteinischen Betriebe zeigen auch hierbei einen kleinen Vorsprung gegenüber anderen Regionen.

Die Produktivität der schleswig-holsteinischen Betriebe hat sich gleichmäßiger und etwas schneller entwickelt als anderswo. Auf Basis von typischen Betrieben des International Farm Comparison Network (IFCN) wurden die Kostenunterschiede verschiedener Milchproduktionssysteme innerhalb Schleswig-Holsteins quantifiziert. Die Analyse hat gezeigt, dass sich die Produktionskosten in Abhängigkeit des Grünlandanteils nur kaum verändern, während durch Verbesserung des Managements und Wachstum die Kosten aus der Sicht des typischen 90-Kuh Betriebes teils deutlich gesenkt werden können. Im Hinblick auf die Faktorverwertung wurde auch in dieser Analyse deutlich, dass in der Vergangenheit allein durch die Milchproduktion keine wettbewerbsfähigen Löhne bzw. Pachten gezahlt werden konnten und dass in den typischen Betrieben durch die Direktzahlungen eine höherer Gewinnbeitrag pro Hektar bzw. Arbeitsstunde erzielt wurde als durch das operative Geschäft.

Des Weiteren wurde die Wettbewerbsfähigkeit der typischen Betriebe Schleswig-Holsteins deutschlandweit, EU-weit und international eingeordnet. Zusammenfassend kann von einer guten Wettbewerbsfähigkeit der norddeutschen Betriebe im Sektor Milchproduktion gegenüber anderen deutschen Produktionsregionen gesprochen werden. Im EU-weiten Vergleich schneiden Irland, England und Polen gemessen an den Vollkosten der Produktion besser ab als die typischen Betriebe Schleswig-Holsteins. Höhere Vollkosten wurden für die typischen Betriebe in Tschechien, Dänemark,

Niederlande und Frankreich ermittelt. Im Vergleich mit den typischen Betrieben aus den USA, Südamerika, Ukraine, China und Neuseeland spiegeln sich die unterschiedlichen politischen, klimatischen und betriebsstrukturellen Bedingungen in sehr unterschiedlichen Produktionskostenniveaus wider. Die typischen schleswig-holsteinischen Betriebe weisen in dieser Gruppe die höchsten Vollkosten der Milchproduktion auf.

Im letzten Abschnitt dieses Teilbereichs wurden auf Grundlage von Vorschlägen aus einem Experten-Panel unter Berücksichtigung schwankender Preise für Milch und Betriebsmittel sogenannte Zielbetriebstypen modelliert. Mittels dieser Methode wurde das über strukturelle Veränderungen in den typischen Betrieben realisierbare Kostensenkungspotenzial abgeschätzt. Die Berechnungen zeigen, dass durch Wachstum eine Senkung der Produktionskosten um bis zu 7,30€ /100kg ECM gegenüber dem Ausgangsbetrieb mit 90 Kühen möglich ist. Die Produktivität gemessen an der produzierten Milchmenge pro eingesetzte AKh kann demnach um bis zu 117% gesteigert werden. Letztlich können den Modellrechnungen zufolge auch die Treibhausgasemissionen in den Zielbetriebstypen um bis

30% gegenüber dem Referenzbetrieb gesenkt werden. Die auf Basis von Statistiken und Befragungen durchgeführte Bestandsaufnahme der Wertschöpfungskette Milch Schleswig-Holstein hat ergeben, dass die Milchwirtschaft Schleswig-Holstein mit dem dazugehörigen Umfeld ein bedeutender Wirtschaftszweig ist, der etwa 20.000 Menschen im Land beschäftigt. Als ein großes Unternehmen konsolidiert betrachtet erwirtschaftet die Milchwirtschaft Schleswig-Holstein im Jahr 2009 einen Jahresumsatz von gut 1,17 Mrd. €. Schließlich wurde die Wettbewerbskraft der WSK Milch S-H gemessen und international eingeordnet. Die Ergebnisse zeigen, dass in S-H sehr heterogene Unternehmen nebeneinander existieren. Zu einem Großteil werden Produkte mit einer geringen Verarbeitungsintensität hergestellt, so dass eine vergleichsweise geringe Wertschöpfung erfolgt. Der Umsatz je kg verarbeiteter Milch liegt im Mittel bei 0,48 €. Im nationalen Vergleich wird unterdessen sichtbar, dass schleswig-holsteinische Meiereien insgesamt eine höhere Produktivität aufweisen, was wiederum auf die geringe Verarbeitungsintensität zurückzuführen ist. International hat die Milchwirtschaft Schleswig-Holstein eine eher geringe Bedeutung. Zwar weist S-H im internationalen Vergleich eine mittlere Konzentration der Milchverarbeitung auf, doch möchte die WSK Milch S-H international langfristig wettbewerbsfähig sein, besteht die Notwendigkeit, die Konzentration der Milchverarbeitung zu erhöhen. Die Analyse von Produzenten- und Konsumentenpreisen macht sichtbar, dass im europaweiten Vergleich in S-H sowohl geringe Produzenten- als auch sichtbar geringe Konsumentenpreise realisiert werden. Da gleichzeitig in Deutschland höchste Standards gelten und die Inputpreise kontinuierlich steigen, ist es einerseits notwendig, die Konsumentenpreise für Milchprodukte in Deutschland generell kritisch zu hinterfragen, um eine langfristig nachhaltige Milchproduktion gewährleisten zu können. Andererseits sind insbesondere Ideen und Innovationen sowie Marketing- und Managementkompetenzen gefragt, um regionale Spezialitäten entwickeln und international vermarkten zu können.

 

 

Wirtschaftliche Bedeutung

Die erzielten Ergebnisse machen zunächst einen außerordentlichen Forschungs- und Beratungsbedarf in den Bereichen Produktinnovation, Marketing und Management sichtbar. Daher ist es notwendig, adäquate Forschungs- und Beratungsangebote für Milchproduzenten und –verarbeiter anzubieten, um über eine verbesserte Unternehmensführung positive wirtschaftliche Effekte hervorrufen zu können.

 


Endbericht des Teilprojektes 7.2 > Mehr...


 

Kontakt

Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität,

Wilhelm-Seelig-Platz 7, 24118 Kiel

 


Publikationen, Poster, Präsentationen und Vorträge

Begutachtete wissenschaftliche Publikationen:

Francksen, T., Hagemann, M. und U. Latacz-Lohmann (2012): Growth of milk production in German dairy farms: an empirical study based on event history analysis. Agricultural Economics, forthcoming.

Hagemann, M., Ndambi, A., Hemme, T. and U. Latacz-Lohmann (2012): Contribution of milk production to global greenhouse gas emissions: an estimation based on typical farms. Environmental Science and Pollution Research 19 (2), 390-402.

Hagemann, M., Francksen, T. und Latacz-Lohmann, U. (2012): Determinants of internal farm growth in milk production: An investigation using event history analysis. Schriften der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus e.V., Bd. 47, 2012, S.405-419.

Sauer, J. und Latacz-Lohmann, U. (2012): Efficient innovation in dairy production – empirical findings for Germany. Vortrag auf der 52. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues e.V. (GeWiSoLa) in Hohenheim am 27.09.2012.

Francksen, T., Hagemann, M. und Latacz-Lohmann, U. (2011): Wachstum von Milchviehbetrieben. Beitrag zur 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus E.V. (GEWISOLA) 28.-30. September in Halle (Saale).

Francksen, T., Hagemann, M. und Latacz-Lohmann, U. (2011): Growth of milk production in German dairy farms: An empirical study based on event history analysis. Eingereicht bei Agricultural Ecnomics, Status: Gutachten erhalten, Revison.

Hagemann, M., Ndambi, A., Hemme, T. and U. Latacz-Lohmann (2011): Contribution of milk production to global greenhouse gas emissions: an estimation based on typical farms. Environmental Science and Pollution Research. DOI 10.1007/s11356-011-0571-8.

Hagemann M., Hemme T., Ndambi A., Alqaisi O., Sultana N. (2011): Benchmarking of greenhouse gas emissions of bovine milk production systems for 38 countries, Animal Feed Science and Technology 166– 167 (2011) 46– 58.

Hagemann M., Francksen T.H., Taube F. (2010): Bewertung von Futterbausystemen auf Geeststandorten aus ökologischer und ökonomischer Sicht - Bestimmung eines Öko-Effizienzmaßes. In: Berichte über Landwirtschaft: 88 (3), pp. 387-406.


Publikationen in Fachzeitschriften, Poster Präsentationen, Vorträge und Experten-Panels:

Hagemann M., Hemme T. (2011): Ergebnisse aus dem Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein: Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Milchviehbetriebe, Bauernblatt Schleswig-Holstein und Hamburg 38. Ausgabe 65./161. Jahrgang 24. September 2011 S.23-24.

Hagemann M., Hemme T. (2011): Ergebnisse aus dem Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein: Norddeutsche und dänische Milchviehbetriebe im Vergleich, Bauernblatt Schleswig-Holstein und Hamburg 39. Ausgabe 65./161. Jahrgang 1. Oktober 2011 S.51-52.

Hagemann, M., Francksen, T. und Latacz-Lohmann, U. (2011): Vortrag zum Thema „Eine empirische Untersuchung zum Wachstum von Milchviehbetrieben mittels der Ereignisanalyse“ im Rahmen der 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus E.V. (GEWISOLA) 28.-30. September in Halle (Saale).

Hagemann, M. (2011): Ausrichtung eines Experten-Panels im Rahmen der IFCN Konferenz vom 26.-28. September für das Teilprojekt 7.2 zu Thema „Trends und Beweggründe für unterschiedliche Entwicklungen in der Milchwirtschaft sowie Szenarien für ein sinnvolles Ausmaß an Integration in der Milchproduktion“. An dem Panel nahmen 72 Vertreter der internationalen Milchwirtschaft teil.

Hagemann, M. (2011): Ausrichtung eines Experten-Panels vom 01.-04. August 2011 für das Teilprojekt 7.2. Es wurde eine Bestandsaufnahme der Akteure der Wertschöpfungskette Milch in Schleswig-Holstein vorgenommen und deren Anteile geschätzt.

Hagemann, M. (2011): Ausrichtung eines Experten-Panels vom 11.-15. Juli 2011 für das Teilprojekt 7.2. in dem Analyseergebnisse zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher und dänischer Milchviehbetriebe diskutiert wurden.

Hagemann, M. und T. Hemme (2011): Entwicklungsmöglichkeiten von Milchviehbetrieben in Dauergrünlandregionen. Vortrag auf der 61. Öffentlichen Hochschultagung in Kiel am 03.02.2011.

Hagemann, M., Latacz-Lohmann, U. (2010): Vortrag zum Thema „Carbon Footprints von Milchproduktionssystemen weltweit. Wo steht Schleswig-Holstein?“ auf der 60. Öffentlichen Hochschultagung in Kiel am 29.01.2010.

Hemme T., Hagemann M., Ndambi A., Alqaisi O. and Sultana N. (2010): Benchmarking of greenhouse gas emissions in milk production for 38 countries, invited lecture at 4th Greenhouse Gases and Animal Agriculture am 3.-8.10.2010 in Banff, Canada.

Alqaisi O., Hagemann M., Ndambi A., Hemme T. (2010): Analyzing GHG emissions from dairy framing systems world-wide, presentation at World Buiatrics Congress (Presentation von T. Hemme gehalten) am 14.-18.11 2010 Santiago de Chile, Chile.

Hagemann, M.: Teilnahme am Symposium des „Kompetenz Zentrum Milch Schleswig-Holstein“ auf der Eurotier 2010 am 18.11.2010 in Hannover.

Latacz-Lohmann, U.: Teilnahme am Symposium des „Kompetenz Zentrum Milch Schleswig-Holstein“ auf der Eurotier 2010 am 18.11.2010 in Hannover.