Teilprojekt 3

 

Teilprojekt 3

„Integration auf und zwischen europäischen und internationalen Märkten für Milch und Molkereiprodukte”

Problemstellung und Projektziele

In diesem Projekt wird im ersten Teil der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Verbraucherpreise auf die Erzeugerpreise und umgekehrt haben und in wieweit sich diese Beziehung im Zeitablauf z.B. durch die Senkung der Interventionspreise von Butter und Magermilchpulver im Zuge der EU-Agrarreform von 2003 geändert hat. Außerdem wird untersucht, ob unterschiedliche Geschäfte, Geschäftstypen oder Einzelhandelsketten abweichende Preisanpassungsreaktionen zeigen und wie anhaltend diese Unterschiede sind. Im zweiten Teil wird untersucht, welche Preisbeziehungen zwischen den wichtigsten internationalen Märkten bestehen. Es wird unter anderem bestimmt, wie schnell und in welchem Umfang sich Preisschocks auf internationalen Märkten im europäischen Raum niederschlagen.

 

Material und Methoden

Aufbauend auf den existierenden theoretischen Ansätzen zur Modellierung vertikaler Preiszusammenhänge soll ein Modell zur Abbildung der spezifichen Situation im Milchbereich entwickelt werden. In diesem Modell sollen insbesondere die speziellen substitutiven und komplementären Produkt-beziehungen bei Milch und Milchprodukten berücksichtigt werden. Aus diesem Modell werden reduzierte Modellspezifikationen zur Analyse von Preisdaten auf den verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette und für verschiedene regionale bzw. internationale Märkte abgeleitet und geschätzt. Mit Hilfe der Schätzergebnisse sollen Aussagen über Effizienz und Intensität des Wettbewerbs im Bereich der Wertschöpfungskette bei Milch auf nationalen und EU-Märkten gemacht werden. Es werden moderne Verfahren der Zeitreihenanalyse zur Bestimmung der vertikalen und horizontalen Preis-Transmission angewendet. Dazu zählen symmetrische und asymmetrische Fehlerkorrekturmodelle, Thresholdmodelle sowie Regime-Switching-Modelle.

 

Vernetzung mit anderen Teilprojekten

Die Ergebnisse des Projektes können mit denen aus Projekt7.2:“Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der Milchproduktion in SH im EU-weiten Kontext” abgeglichen werden, da beide Projekte Aspekte der Effizienz des Molkereisektors bearbeiten.

 

Ergebnisse

• Es wurde ein theoretischer Rahmen zur Interpretation vor allem vertikaler Preisbeziehungen erarbeitet.

• Die Bruttowertschöpfung der einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette wurde für die Produkte Konsummilch, Butter und Joghurt analysiert.

• Die vertikale Preistransmission (cost pass through) zwischen dem Großhandel und dem Lebensmitteleinzelhandel wurde für Milch und Butter auf produkt- und geschäftsspezifischer Ebene in Deutschland analysiert. Insgesamt wurden 2643 verschiedene Preisbeziehungen in einem 3-Regime-Threshold-Fehlerkorrektur-Modell geschätzt. In der Untersuchung wurden verschiedene Marken (Herstellermarken von genossenschaftlichen und nicht-genossenschaftlichen Molkereien) und auch verschiedene Geschäftsformate des LEH (Supermärkte, kleine und große Verbrauchermärkte, SB-Warenhäuser, Discounter) explizit unterschieden.

Betragsmäßig wird mit den Handelsmarken eine geringere Marge erwirtschaftet als mit den Herstellermarken. Besonders hervorzuheben ist, dass Abweichungen vom langfristigen Gleichgewicht  bei den Handelsmarken wesentlich schneller abgebaut werden. Discounter bieten die betrachteten Produkte zu einem geringeren Preisniveau an als die andern Geschäftsformate, diese Beobachtung gilt sowohl für Handelsmarken, als auch für Herstellermarken. Bei den Handelsmarken lässt sich feststellen, dass die Unterschiede im Preisniveau zwischen den einzelnen Geschäftsformaten sehr gering sind. Auch wenn die dynamischen Anpassungsprozesse signifikante Asymmetrien zeigen, so wird die ökonomische Bedeutung dieser Asymmetrien durch ein breites inneres Regime (menu costs) mit Anpassungsraten von nahezu 0% außer Kraft gesetzt. Überraschenderweise finden wir zwar signifikante positive Asymmetrien, welche genutzt werden können, um die jeweilige Marge auszudehnen, allerdings zeigen aber gerade die starken Marken mit einer hohen Marge ökonomisch unbedeutenden Asymmetrien bei der Weitergabe von Kosten1. Folglich betreiben die Firmen mit einer hohen Marktmacht keine Asymmetrien bei der Kostenweitergabe, um die eigene Marge auszudehnen. Demzufolge ist die Hypothese, dass Unternehmen mit mehr Marktmacht auch im stärkeren Umfang Asymmetrien bei der Kostenweitergabe anwenden, um die eigene Marge auszudehnen, für die hier verwendeten Daten widerlegt.

• In einer weiteren Analyse wurde untersucht, ob die dynamische Preisanpassung zwischen dem Großhandelspreis und dem Verbraucherpreis von Konsummilch abhängig davon ist, ob es sich um eine konventionell oder aber um eine ökologisch produzierte Konsummilch handelt. Insgesamt wurden dafür 1060 verschiedene Preisbeziehungen analysiert.

Die Marge bei den ökologisch produzierten Produkten ist erwartungsgemäß höher als die Marge bei den konventionell erzeugten Produkten. Vergleicht man die Anpassungskoeffizienten der beiden Produkte, so findet sowohl für ökologisch als auch für konventionell erzeugte Konsummilch nahezu keine kontemporäre Anpassung statt. Auftretende Ungleichgewichte werden folglich nur langfristig abgebaut. Bei allen betrachteten Konsummilchprodukten werden positive Asymmetrien im langfristigen Preisanpassungsprozess gefunden. Steigt der Molkereiabgabepreis, wird der Verbraucherpreis schneller angepasst als bei einem sinkenden Molkereiabgabepreis. Im Ausmaß dieser positiven Asymmetrien unterscheiden sich die ökologisch und die konventionell erzeugten Konsummilchprodukte voneinander. Die Preisasymmetrien bei Bio-Milch sind zwar betragsmäßig niedriger als bei konventioneller Milch, dennoch deuten diese Ergebnisse nicht auf eine Berücksichtigung der „cooperate social responsibility“ bei der Preissetzung von Bio-Produkten hin. Vielmehr geben die Ergebnisse Anlass zu vermuten, dass der LEH sich das positive Image der Bioprodukte (hier am Beispiel Milch untersucht) zu Nutze macht und eben auch bei diesen Produkten positive Asymmetrien in der Preisanpassung anwendet. 

Der Vergleich von Simulationen der symmetrischen mit den Simulationen der asymmetrischen Prozesse zeigt jedoch, dass unabhängig vom Produkt der wirtschaftliche Vorteil der asymmetrischen Preistransmission hauptsächlich in Zeiten starker Preisschwankungen (2007/2008) bedeutend ist und einen zusätzlichen Erlös von ca. 3 Eurocent pro Liter ausmacht.

• Anhand der individuellen Untersuchung der dynamischen Preisbeziehungen Großhandelspreise für Butter zwischen Deutschland, Niederlande, Frankreich und dem Weltmarkt, wurde die horizontale Marktintegration der Buttermärkte innerhalb der EU analysiert.

Während die Niederlande in den letzten Jahren der größte Exporteur von Butter im EU-Intrahandel waren, haben Frankreich und Deutschland am meisten Butter importiert. Auch wenn keine genaueren Daten über die exakten Handelsströme in der EU vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Großhandelspreise der importierenden Länder (Deutschland, Frankreich) an den Großhandelspreisen der exportierenden Länder (Niederlande) orientieren.

 

[1] Für eine nähere Erläuterung der ökonomischen Relevanz der Asymmetrien, siehe (Holm et al., 2012)

Tabelle 1: Preisanpassungsreaktionen zwischen den Großhandelspreisen der entsprechenden Länder (Butter)

Land 1

Land 2

Anpassungsparameter Land 1

Anpassungsparameter Land 2

Niederlande

Frankreich

-0.13

-0.42***

Niederlande

Deutschland

0.11

-0.34***

Niederlande

Weltmarkt

-0.07**

-0.02

Frankreich

Deutschland

0.08

-0.35***

Frankreich

Weltmarkt

-0.05**

-0.02

Deutschland

Weltmarkt

-0.10***

-0.01

Signifikanzniveaus: 10%(*), 5%(**), 1%(***)

 

Diese Hypothese wird durch die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse untermauert. Abweichungen von der langfristigen Gleichgewichtsbeziehung mit dem niederländischen Buttermarkt werden jeweils durch die Großhandelspreise der Importländer (Deutschland und Frankreich) korrigiert. Insgesamt herrscht auf dem europäischen Buttermarkt mit einer durchschnittlichen Anpassungsrate von 37% / Woche eine relativ hohe Marktintegration. Im Gegensatz dazu scheint die Integration der europäischen Märkte in den Weltmarkt für Butter deutlich geringer zu sein.


Kontakt

Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität, Lehrstuhl für Marktlehre, Wilhelm-Seelig-Platz 7, 24118 Kiel

 


Publikationen, Poster, Präsentationen und Vorträge

Publikationen

Holm, T., J. - P. Loy und C. Steinhagen (2011): Preiskampf bei Milchprodukten im Lebensmitteleinzelhandel. Beitrag zur Hochschultagung 2011

 

Holm, T., C. Steinhagen und J. - P. Loy (2011): Preiskampf bei Milchprodukten im Lebensmitteleinzelhandel. Schriftenreihe der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Kiel, Heft 117, S. 227-234

 

Holm, T., J. - P. Loy und C. Steinhagen (2012): Preissetzung im Lebensmitteleinzelhandel bei Milchprodukten. Beitrag in Landvolk Mittelweser, 7. Jahrgang, Ausgabe 6, Juni 2012

 

Holm, T., J. - P. Loy und C. Steinhagen (2012): Überschätze Marktmacht. Beitrag in den DLG-Mitteilungen (8/12)

 

Holm, T., J. - P. Loy und C. Steinhagen (2012): Wie schnell werden Preisänderungen an Verbraucher weitergeleitet? Beitrag im Bauernblatt, 42. Ausgabe, 66./162. Jahrgang, 20.10.2012

 

Holm, T., J. - P. Loy und C. Steinhagen (2012): Cost Pass Through in Differentiated Product Markets: A disaggregated Study for Milk and Butter. Transparency of Food Pricing (TRANSFOP), Nr. Working Paper No. 6 (2012)

Dieser Beitrag ist zurzeit beim European Review of Agricultural Economics unter Begutachtung.

 

Holm, T. und J. - P. Loy (2012): Vertikale Preistransmission: Ökologisch vs. Konventionell erzeugte Milch. Beitrag im Tagungsband Preise und Fairness in Wertschöpfungsketten: Methodische Ansätze und empirische Ergebnisse, Göttingen, November 2012

 

Vorträge

Holm, T. (2010): Preistransmission für Konsummilch und Butter in den verschiedenen Distributionskanälen des Lebensmitteleinzelhandels. Vortrag auf der GeWiSoLa-Tagung 2010 in Braunschweig

 

Holm, T. (2011): Wie bildet sich der Milcherzeugerpreis – Beziehungsstrukturen in der Wertschöpfung bei Milch – müssen Milcherzeuger / Molkereien umdenken? Vortrag bei Kreisbauernverband

 

Holm, T. (2012): Warenterminmärkte als Instrument der Preisabsicherung. Vortrag bei dem Verein landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen des Kreises Nordfriesland am 22.03.2012 in Bredstedt

 

Holm, T. (2012): Vortrag bei dem Workshop „Preise und Fairness in Wertschöpfungsketten: Methodische Ansätze und empirische Ergebnisse“ am 21.05.2012 in Göttingen

 

Holm, T. (2012): Bio auch in der Preissetzung: Konsummilch in Deutschland. Vortrag auf der GeWiSoLa-Tagung 2012 in Göttingen

 

Poster

Holm, T. (2010): Poster und Teilnahme am Symposium des „Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein“ auf der EuroTier 2010 am 18.11.2010 in Hannover