Projekthintergrund

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Die Reduktion klimaschädlicher Emissionen wird international als eine der größten Herausforderungen angesehen. Die deutsche Landwirtschaft trägt insbesondere bei den Treibhausgasen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) überproportional zum Gesamtausstoß bei. Ein bedeutender Teil der Methanemissionen stammt dabei aus der Tierhaltung (GRIMM, 2006). Hier ist in den letzten Jahren insbesondere die Rinderhaltung in das öffentliche Interesse gerückt, da Milch- und Rindfleischproduktion durch Fermentation von Rohfaser im Pansen die Hauptverursacher für Methanemissionen aus der Tierhaltung sind.

 

Diverse Mikroorganismen beteiligt

An der Umwandlung von Futterbestandteilen zu Methan sind diverse Mikroorganismen beteiligt. Die methanogenen Archaeen stellen das letzte Glied der anaeroben Nahrungskette dar, d.h. durch ihre Aktivität wird letztendlich Methan gebildet. Das so entstandene Methan sammelt sich im Netzmagen, bevor es durch den Ruktus gasförmig an die Umwelt abgegeben wird (KIRCHGESSNER, 2004). Methan aus dem Agrarsektor entsteht also vorwiegend aufgrund natürlicher Prozesse, die kaum produktionsphysiologische und produktionstechnologische Reduktionsansätze bieten. Hinsichtlich dieser Rahmenbedingungen unterscheidet sich die Rinderproduktion deutlich von anderen Emissionsquellen.

Methanintensitäten können zwar durch effizienteres Management und effizientere Prozesse gesenkt werden, methanneutral werden Fleisch und Milchprodukte hierdurch aber nicht. Der Ausstoß klimarelevanter Gase konnte in der Vergangenheit durch die Leistungssteigerung je Tier und den dadurch bedingten Rückgang der Rinderbestände zwar beachtlich reduziert werden, daraus folgt aber auch, dass hier zukünftig nur noch wenig Spielraum vorhanden ist. Eine züchterische Beeinflussung der Methanemissionen ist bislang nur indirekt möglich, z.B. durch Zucht auf bessere Tiergesundheit, längere Nutzungsdauer und kürzere Aufzuchtdauer (FLACHOWSKY und BRADE, 2007).

Klimawandel trotz Fehlens konkreter Reduktionsverpflichtungen hochaktuell

Die Landwirtschaft unterliegt im Rahmen ihrer Aufgabe zur Ernährungssicherung in den internationalen Klimaschutzabkommen zurzeit zwar noch keinen konkreten Reduktionsverpflichtungen, dennoch bleibt das Thema Klimawandel hochaktuell. Zukünftige Ziel-vorgaben hinsichtlich der Reduktion der Treibhausgasemissionen lassen sich nur schwer vorhersagen. Es ist aber zu erwarten, dass die Landwirtschaft und insbesondere der Sektor, der für die Erzeugung tierischer Produkte zuständig ist, zur Umsetzung klimapolitischer Pläne in Zukunft stärker als bisher in die Verantwortung genommen werden.

Die Steigerung der Effizienz stellt einen wesentlichen Schlüssel zum Erfolg dar. Langfristig ist aber auch eine bessere Ausarbeitung züchterischer Strategien zur Emissionsreduktion dringend erforderlich. Es bedarf weiterer Forschungsaktivitäten hinsichtlich Klimagasentstehung bzw. -reduktion und Möglichkeiten einer züchterischen Einflussnahme auf die tierindividuellen Methanemissionen.

Literaturnachweise

  • FLACHOWSKY, G. und BRADE, W. (2007): Potenziale zur Reduzierung der Methan-Emissionen bei Wiederkäuern. Züchtungskunde 79, 417-465.
  • GRIMM, E. (2006): Internationale und europäische Regelungen zur Luftreinhaltung und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft. In: Emissionen der Tierhaltung, KTBL-Schrift 449, Darmstadt, 9-23.
  • KIRCHGESSNER, M. (2004): Tierernährung. 11. Auflage. DLG-Verlag, Frankfurt a. Main.