WCGALP

 

WCGALP 2010

World Congress on Genetics Applied to Livestock Production, 1. bis 6.August in Leipzig

 

Seit 1974 wird der „World Congress on Genetics Applied to Livestock Production“ (WCGALP) im vierjährigen Abstand abgehalten. In diesem Jahr hatte Deutschland die Ehre Tierzucht Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Leipzig begrüßen zu dürfen. Die Organisationsleitung hatte dabei Prof. a. D. Dr. Dr. h.c. mult. E. Kalm (Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Uni Kiel) inne.

 

Es nahmen insgesamt 1.382 Teilnehmer aus 61 Ländern am neunten Weltkongress für angewandte Genetik in der Tierzucht teil. Wissenschaftler aus allen Bereichen der Nutztierwissenschaften diskutierten über die genetische Verbesserung von landwirtschaftlichen Nutztieren. Dabei standen neben Themen der Schweine-, Schaf-, Ziegen-, Geflügel-, Pferde- und Fischzucht insbesondere Themen der Milch- und Fleischrinderzucht im Fokus. Vorwiegend wurde dabei der aktuelle Stand der genomischen Selektion in zahlreichen Sessions diskutiert.

 

Die grundlegende Theorie der genomischen Selektion ist die Ableitung des Zuchtwertes eines Tieres direkt aus seinen Erbanlagen. Bisher erfolgte eine Selektion anhand der phänotypischen Leistung als Indikator für die genetisch bedingte Leistungsveranlagung mit Hilfe von Nachkommenschaftsprüfungen. Diese Art der Prüfungen dauern sehr lange und sind sehr kostspielig, wobei die Testkapazitäten zudem begrenzt sind.

 

Obwohl das Genom des Rindes inzwischen entschlüsselt ist, wissen wir dennoch sehr wenig über die Lage und Wirkungsweise der Gene für die Mehrzahl der züchterisch bearbeiteten Merkmale. Daher arbeitet die genomische Zuchtwertschätzung nicht direkt auf der Basis von Informationen zu den Genen, sondern auf der Basis von SNP-Markern. Der neue Stand der Molekulargenetik ermöglicht es, dass Tausende von SNP Markern über das gesamte Genom verstreut relativ kostengünstig bestimmt werden können. Einige davon befinden sich im Bereich der uns interessierenden Gene und markieren diese ähnlich wie Kilometersteine auf den Autobahnen Ausfahrten, Tankstellen und Raststätten markieren. Es geht also nicht darum, genau die ursächlichen Gene zu erforschen, sondern vielmehr darum, diejenigen Marker zu bestimmen, die diese Gene am besten beschreiben. Dafür müssen die Tiere zunächst „genotypisiert“ werden, d.h. die Erbsubstanz wird an der großen Anzahl Marker (derzeit etwa 54.000) untersucht. An jedem Marker hat jedes Tier seinen spezifischen Genotyp und somit ein tierindividuelles Muster aus 54.000 Genotypen. Der nächste Schritt ist die Schätzung der genomischen Zuchtwerte. Dazu wurden Rechenverfahren entwickelt, mit denen die Wirkung der Marker auf die Zuchtwerte geschätzt werden können.

 

Die genomische Selektion stellt für die Praxis ein nützliches Verfahren dar, welches in Kürze in die Praxis eingeführt wird. Mit der August-Schätzung 2010 wurden erstmals genomische Zuchtwerte (gZW) offiziell veröffentlicht. Das genomische Schätzsystem des VIT Verden hat als eines der ersten weltweit die offizielle Anerkennung durch ICAR/Interbull erhalten. Genomisch verbesserte Zuchtwerte gibt es in Deutschland bisher nur für Holsteins und Red Holsteins. Der nächste Veröffentlichungstermin ist voraussichtlich Dienstag, der 7. Dezember 2010.

 

Impressionen:

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Mid-Congress Tour am 04.08.2010 zur Agrargenossenschaft Coppelsdorf e.G. in Sachsen-Anhalt:

 

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